7 Jahre ist es her, dass From Software mit Dark Souls das Action-RPG Genre neu inspiriert und Gamern den ultimativen Skilltest präsentiert hat. Schnell hat sich das knallharte Fantasy-Game einen Weg in die Gaming Kultur gebahnt und zahlreiche Imitatoren auf den Plan gerufen. Jetzt wurde das Meisterwerk mit Dark Souls Remastered für die aktuelle Konsolengeneration fit gemacht. Ist der Port gelungen und vor allem: Hält Dark Souls seinem großen Ruf stand?

Dark Souls Neueinsteiger-Kurs

Für diejenigen, die sich bis dato noch an kein Spiel der Dark Souls Reihe getraut haben, fasse ich das Spiel einmal kurz zusammen. Dark Souls ist im Grunde ein Action-Rollenspiel. Wie für das Genre typisch erstellt Ihr einen Charakter mit verschiedenen Attributen, die sich auf eure Spielweise auswirken (Stärke, Geschick, Intelligenz, etc.). Ebenfalls sammelt Ihr Ausrüstung und levelt euren Charakter auf, um so euren eigenen Kampfstil zu finden. Wo sich Dark Souls allerdings von klassischen RPGs unterscheidet, ist das Leveldesign und das Gameplay.

Dark Souls Remastered Review Dark Souls Review

Die Welt von Dark Souls erinnert nämlich stark an ein Metroidvania. Ihr durchforstet eine große, zusammenhängende Welt und verknüpft die einzelnen Safe Points (Bonfires) miteinander. Dabei führt euch der Weg oftmals durch alte Areale zurück, welche weitere Wege und Überraschungen für Euch bereithalten. Ihr habt zwar Ziele vor Augen, die Ihr erfüllen müsst, dorthin führen jedoch gerne mal verschiedene Wege oftmals auch durch oder an optionalen Gebieten vorbei.

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Das Gameplay ist deutlich Action-lastiger als man es bei anderen Action RPGs erwarten mag. Jede Waffe hat verschiedene Angriffe, die erst einmal gelernt sein wollen. Ihr habt mit Blocken, Parieren, Tritten, einhändigen und zweihändigen Attacken viele Optionen im Kampf. Dazu kommt noch der Fernkampf mit Magie oder Pfeil und Bogen. Kombiniert mit dem vorsichtigen Management eurer Ausdauer und dem heftigen Damage Output Eurer Gegner ist das Kampfsystem komplex, strategisch und tiefgängig. Letztlich ist auch die Navigation durch die Welt deutlich spannender als bei anderen Rollenspiele. Dark Souls erinnert mit Fallen, komplexen Gebieten und leichtem Platforming mehr an Action- als an Rollenspiele. Kombiniert mit dem berüchtigten Dark Souls Schwierigkeitsgrad habt Ihr ein Spiel, das sich wie kein zweites spielt.

Ein zeitloses Meisterwerk

Wichtiger, als die Frage, was das Remaster ausmacht, ist die Frage, wie sich Dark Souls in den sieben Jahren seit dem Original Release gehalten hat. Um es kurz zu machen: Ja, Dark Souls ist auch noch im Jahr 2018 einen (wahrscheinlich gescheiterten) Spielerun wert. Irgendwie hat Dark Souls etwas Besonderes, das selbst die Sequels nie komplett einfangen konnten. Zum einen gibt es kaum ein Spiel, das eine so dichte und drückende Atmosphäre vorweisen kann. Zum anderen kenne ich kaum ein Spiel, das mich so überaschen und faszinieren kann.

Dies ist das dritte Mal, dass ich den Titel durchspiele und noch immer werde ich überrascht. Es gibt Pfade, die mir zuvor nie aufgefallen sind oder Gebiete, die ich zuvor übersehen habe. Ich dachte ich müsste bei den Levels bestimmte Reihenfolgen beachten, aber diese vermuteten Reihenfolgen lassen sich oftmals ignorieren. Dark Souls macht aus ängstlichen Neulingen mutige Entdecker und regt eure Fantasie an.

Zu verdanken ist das vor allem dem zuvor erwähnten Leveldesign. Nicht nur sind alle Gebiete abwechslungsreich und voller Geheimnisse, nein sie sind auch noch alle eindrucksvoll miteinander verknüpft. Wie bei einer richtigen Welt. Ich wurde stetig überrascht, wenn ich beispielsweise mit wenig Leben eine Tür geöffnet habe, nur um endlich eine Leiter zu finden, die mich direkt zum letzten Safe Point führt. Besonders cool ist dabei, dass so ziemlich alles, was ihr in der Distanz erkennen könnt auch zum Spiel gehört. Jedes Mal, wenn Ihr über einen Teil vom Dach oder eine Strebe einer Burg lauft, fühlt Ihr euch clever. Ich könnte Stunden lange über das Level Design schwärmen, da Dark Souls meiner Meinung nach in dieser Kategorie zu den besten Spielen aller Zeiten zählt. Wer aber noch mehr zum Level Design wissen möchte, dem möchte ich an dieser Stelle Mark Browns großartiges Video zum Thema empfehlen.

Prepare to die …

Kein Artikel über Dark Souls ist komplett, ohne eine Erwähnung des Schwierigkeitsgrades. Nicht umsonst wirbt das Spiel mit der Tagline „Prepare to die“. Ist es also wirklich soooooo schlimm? Jein. Klar, Dark Souls macht es dem Spieler nicht leicht. Auch die schwächsten Gegner teilen ordentlich aus. Das Spiel ist voller fieser Fallen und trickreichen Feindplatzierungen. Auch sind das Spieldesign, Hinweise und die nächsten Ziele genau wie die Story äußerst kryptisch. Wer nicht aufpasst, mag das Spiel teils sogar als äußerst unfair bezeichnen. Tatsächlich ist Dark Souls mit der richtigen Einstellung aber gar nicht so schwer, wie man denkt.

Ihr müsst nur vorsichtig, aufmerksam und diszipliniert sein. Wer langsam unterwegs ist, erkennt Fallen häufig zuvor. Wer Kämpfe nicht überhitzt angeht, findet Schwachstellen in den Bewegungsmustern der Feinde. Und selbst, wenn ihr 10-mal an der gleichen Stelle draufgeht, erkennt ihr beim 11. Mal vielleicht eine bessere Strategie oder Equipment, das besser zu Situation passt. Und wenn alle Stricke reißen, hilft euch vielleicht die tolle Community.

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… aber niemand muss alleine sterben

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt, ist die Online-Community ein wichtiger Aspekt des Spiels. Ihr könnt euch gegenseitig kleine Nachrichten im Spiel hinterlassen, die euch auf Fallen und Geheimnisse hinweisen. Aufpassen sollte man natürlich bei der gelegentlichen Troll Nachricht, die vorschlägt, dass ihr die nächste Klippe herunterspringt. Blutflecke am Boden zeigen kleine Replays von den Toden der Mitspieler und warnen so vor Gefahr. Wer mehr Hilfe braucht, kann sich, sofern er eine menschliche Gestalt hat, auch NPCs oder andere Spieler in seine Welt einladen. So lassen sich Bosse deutlich einfacher in die Knie zwingen. Wer selbst das freundliche Phantom von nebenan sein möchte, hinterlässt seine Markierung an einer kniffeligen Stelle. Vorsticht jedoch: nehmt ihr eure menschliche Gestalt an, kann man auch in eure Welt eindringen und euch bekämpfen! Außerhalb des Spiels stehen im Internet reichlich Guides und Wikis bereit, die das kryptische Spiel aufschlüsseln. Mit dem richtigen Build, der passenden Strategie oder einem frühen Erhalt des Drake Swords geht das Spiel deutlich leichter von der Hand. „Git Gud“ ist also nicht der einzige Pfad nach vorne.

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Veteranen erkennen den Eingang zu Blighttown sofort. Die Blutflecke lassen jedoch auch Neulinge verstehen, worauf sie sich gleich einlassen …

Wie Remastered ist Dark Souls Remastered denn nun?

Was genau bekommt ihr mit Dark Souls Remastered? Inhaltlich erhaltet Ihr das Grundspiel sowie die großartige Erweiterung Artorias of the Abyss. Änderungen am Gameplay oder dem Gamedesign gibt es grundsätzlich nicht. Auch erwartet euch kein von Grund auf neu gestaltetes Spiel, wie bei Shadow of the Collosus. Die Grafik ist entsprechend nicht komplett neu entwickelt. Stattdessen erwartet euch eine direkte Portierung mit einer flüssigeren Framerate, einer höheren Auflösung und besseren Lichteffekten. Explizit läuft das Spiel auf PS4 und Xbox One mit 1080p bei 60 FPS. Die PS4 Pro und die Xbox One X unterstützen zusätzlich noch eine hochskalierte 4K Auflösung, während die PC Version eine native 4K Auflösung bietet. Einen Eindruck der verbesserten Grafik könnt Ihr Euch im folgenden Video machen.

Zusätzlich wurden einzelne Features des Multiplayers und der Menüführung verändert. Diese beeinflussen das Gameplay kaum, sind jedoch trotzdem willkommen. Eine komplette Auflistung findet ihr bei den Kollegen von IGN.

Auch wenn es sich nicht um ein Remake, sondern nur um einen optimierten Port handelt, ist Dark Souls Remastered ein schönes Produkt. Obwohl ich auf den ersten Blick den Unterschied nicht merken würde, muss ich gestehen, dass insbesondere die stabilere Framerate einen großen Unterschied macht. Wer das Original gespielt hat erinnert sich bestimmt noch an Performance Einbrüche im berüchtigten Blighttown. Zumindest dieses Problem ist nun erledigt und Dark Souls spielt sich jetzt besser als je zuvor.

Alte Technik = Altersschwäche?

Auch wenn ein Remastered im Namen steckt, ist Dark Souls noch immer ein Spiel der letzten Konsolengeneration. Im Gegensatz zu Spielen, wie The Last of Us oder God of War 3 war Dark Souls rein technisch gesehen noch nie sonderlich beeindruckend. Das sieht man auch dem Remaster an. Das heißt nicht, dass Dark Souls Remastered nicht schön anzusehen wäre. Die Grafik lebt jedoch vom tollen Design. Sowohl die Levels als auch die Gegner sehen spitze aus und vermitteln die richtige Atmosphäre. Insbesondere die Bosse fallen mit ihrem ausgefallenen und eindrucksvollen Design auf. Ebenfalls stark ist die große Weitsicht, da man hier wirklich Details von Gebieten erkennt, zu denen man gehen kann. Altersprobleme gibt es bei den teils verwaschen aussehenden Texturen. In manchen Gebieten, wie den Tiefen fällt dies besonders auf.

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Ebenfalls gibt es einige Clipping-Fehler und merkwürdige Animationen, bei den gefühlt ein paar Zwischenschritte fehlen. Auch sind die Havok Effekte mit den Leichen teils sehr lächerlich, was aber auch zu spaßigen Momenten führen kann. All das stört aber nicht wirklich, da Dark Souls euch mit seiner Atmosphäre und dem tollen Weltdesign eh in seinen Bann zieht. Der wichtigste technische Aspekt ist die eingangs erwähnte, verbesserte Framerate.

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In punkto Sounddesign ist Dark Souls nach wie vor top. Die Musik wird nur spartanisch eingesetzt, ist dafür aber umso epischer. Die Sound-Effekte sind ebenfalls spitze. Sie dienen zur Orientierung und helfen, das Geschehen besser zu verstehen. So wisst ihr, wann ein Gegner getroffen ist oder stirbt, selbst wenn ihr es nicht sofort durch die Grafik erkennt. Getroffene Attacken und insbesondere Konter und Backstabs werden durch den Sound umso befriedigender.

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Besonders ärgerlich für mich war letztlich jedoch ein Bug, der verhindert hat, dass der Schmied ein Key-Item registriert hat. So konnte ich meine Waffen nur bis zu einem bestimmten Level upgraden. Boss-Waffen waren mir somit verwehrt. Der Bug scheint auch im Originalspiel zu existieren. Ich hoffe, dass From Software hier schnell nachlegt. Zum Zeitpunkt dieser Review (29.5.2018) ist das aber noch nicht passiert.

UPDATE 04.06.2018

Dark Souls wurde mittlerweile gepatched und der Bug ist zumindest bei meinem Spielstand nicht mehr vorhanden. Gute Arbeit From Software!

Dark Souls Remastered Review – Fazit

 

Fazit: Dark Souls Remastered ist ein kompetenter Port eines zeitlosen Klassikers. Wer sich noch nie an das Action-RPG getraut hat, sollte das spätestens jetzt nachholen. Veteranen erhalten die beste Version des Spiels.

 

 

 


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