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Wonder Woman Review – DC’s bester Film?

Kann Wonder Woman das DC Extended Universe retten ?

Auf den Schultern von Wonder Woman lastet eine Menge Gewicht. Das ist nicht nur wahr für die Filmheldin, welche Frieden zurück in die Welt bringen möchte, sondern auch für den Film selbst. Das DC Filmuniversum oder DCEU hat bisher leider oft enttäuscht. Die Einspielergebnissen waren zwar gut, die Kritiken waren dagegen durchwachsenen. Auch die Fanbase ist sich bis jetzt uneinig. Während manche Leute die Action von Superman, Batman und co. lieben, kritisieren andere die Filme für zu offensichtliche Metaphern, den unschönen und übertriebenen Aufbau des Universums und Löcher in der Story.

Als wäre das nicht genug, ist Wonder Woman auch noch der erste ernstzunehmende Superhelden-Film mit einer weiblichen Hauptdarstellerin. Wer an dieser Stelle Catwoman, Elektra oder Supergirl erwähnt, sei dagegen höflich auf das Wörtchen „ernstzunehmend“ hingewiesen. Zweifelsfrei haben sich Regisseurin Patty Jenkins und Schauspielrin Gal Gadot einiges vorgenommen. Gelingt es ihnen den DC Abwärts-Trend zu brechen? Lest unser spoilerfreies Wonder Woman Review und findet es heraus!

Wonder Woman’s Weg der Kriegerin

Die Story lässt sich auf den ersten Blick recht schnell zusammenfassen. „Was wäre, wenn der erste Captain America Film im ersten Weltkrieg gespielt und Thor als Hauptcharakter hätte?“ Der Film beginnt auf Themyscira, der Insel der Amazonen. Hier sehen wir das frühe Leben der Amazonenprinzessin Diana und wie sie als Kriegerin heranwächst. Auch gibt es hier einen großen Teil der Hintergrundstory und wir bekommen einen Eindruck von der Kultur. Nach einem schönen Einstieg endet der erste Akt mit dem Eintreffen des britischen Spions Steve Trevor. Ein kurzes Gefecht mit einer eintreffenden deutschen Streitmacht gibt Diana einen Geschmack vom ersten Weltkrieg. Als sie von den zahlreichen Opfern und dem Ausmaß des Krieges hört, schwört sie, diesen zu beenden. Sie stellt sich dabei nicht nur den Herausforderungen einer anderen Welt und dem bis dato größten Krieg aller Zeiten, sondern möglicherweise auch dem Kriegsgott Ares, den sie hinter Allem vermutet.

Die Story bewegt sich in einem angenehmen Tempo und schafft eine tolle Balance zwischen Fantasy und Kriegsfilm, ohne einen Sinn für Humor zu verpassen. Was mit einer guten Prise Worldbuilding startet, mündet nahtlos in Comedy, führt über die Schrecken des Krieges bis hin zu spannenden Situationen und einem furiosen Abschluss. Wonder Woman überwindet das eingangs erwähnte Mash-Up der ersten Thor und Captain America Filme mit Leichtigkeit. Das Superhelden Epos findet so eine fesselnde Story mit einem ganz eigenen Charme.

Von charismatischen Helden und miesen Kriegstreibern

Nicht nur die Story sondern auch die Schauspieler sind überzeugend. Gal Gadot hat damals als sie für Batman v Superman gecastet wurde sicherlich den einen oder anderen aufgrund Ihrer Unbekanntheit zweifeln gelassenhaben. Trotz einem super Eindruck im endgültigen Film war ich mir nicht sicher, ob sie einen ganzen Film stemmen kann. Jetzt kann ich sicher sagen, dass sie ein unglaublicher Fund gewesen ist, der an Chris Hemsworth erste Erscheinung als Thor erinnert. Mit ihrer leichten Naivität, ihrer unglaublichen Stärke und ihrem großen Herz ist sie die perfekte Wonder Woman und mein Lieblingscharakter im DCEU.

Ebenfalls überzeugend ist Chris Pine als Steve Trevor. Auch wenn mich der Schauspieler oftmals nicht überzeugt und gerne etwas hölzern wirkt, war er hier ein Highlight für mich. Seine Beziehung zu Diana war toll anzusehen und facettenreich. Nachdem Pine zu Beginn auf Wonder Woman’s Heimatinsel ein Fisch außerhalb des Wassers ist, drehen sich die Rollen in unserer Welt um. Die Chemie zwischen beiden Schauspielern ist glaubhaft und sorgt sowohl für lustige, als auch mitreißende Momente.

Auch der Rest der Heldenriege ist durch die Bank weg sympathisch. Ohne viele Erklärungen erkennt man, wie sehr sie vom Krieg mitgenommen wurden. Dennoch verbreiten sie Spaß und Charme, ohne vom Fokus der Story abzulenken.

Die Bösen sind leider eine Schwachstelle des Films. Ein deutscher General namens Ludendorff und seine Chemikerin Doctor Poison versuchen ein tödlicheres Gas zu entwickeln. So wollen sie den Krieg auf grausame Weise entscheiden und einem Waffenstillstand zuvorkommen. Beide Charaktere sind strikt böse. Sie wirken farblos und unrealistisch in ihrem Verlangen den Krieg zu gewinnen. Nach einer späteren Wendung scheint dies nicht ganz unbeabsichtigt zu sein und ist auf eine Weise sogar clever. Dennoch sollte man hier keinen Widersacher vom Kaliber des Jokers oder Loki erwarten.

Heldenepos mit Tiefgang

Eine solide Story und tolle Charaktere hätten zum Erfolg des Filmes sicherlich ausgereicht. Den Machern scheint dies allerdings nicht genug gewesen zu sein. So findet sich für Zuschauer, die zwischen den Zeilen lesen wollen ein cleverer Film mit Tiefgang. Zum einen sehen wir eine starke Antikriegsbotschaft. Wie bereits erwähnt ist dies an den mitgenommenen Helden des Films zu sehen, doch auch der Rest des Filmes scheut sich nicht vor den Schrecken des Krieges. Das sehen wir in Form von verkrüppelten Soldaten, besetzten Dörfern und verzweifelten Soldaten welche Monate in den Gräben verbringen. Es ist diese unschöne Welt, an der Wonder Woman wächst und die ihre Sicht auf den Spaß des Kampfes verändert.

Zum anderen betrachtet der Film die Natur des Menschen. Ist dieser gut oder böse und hat diese Welt eine Beschützerin, wie Wonder Woman verdient?

Speziell der erste Weltkrieg gilt oft als ein Konflikt ohne gute oder böse Seite – lediglich Opfer des Krieges. Zu sehen ist dieser Konflikt auch in Steve Trevor, der beide Seiten in sich trägt – ein menschlischer Charakter eben. Der Film erreicht diese klare Botschaft gegen den Krieg und ermutigt philosophische Fragen jedoch elegant. Das schafft er durch Bilder und Charakterentwicklung mehr als durch Worte. Batman v Superman und Man of Steel haben sich an einem ähnlichen Ziel versucht, sind jedoch oftmals in langen und prätentiösen Dialogen versunken, ohne je eine klare Frage oder eine tatsächliche Antwort zu finden. Wonder Woman’s letztliche Antwort mag zwar etwas klischeehaft klingen, sie passt jedoch zum Charakter den Fans seit Jahrzehnten aus Comics und Serien kennen. Und nein, auch an dieser Stelle keine Spoiler.

Action, die inspiriert … zumindest teilweise

Der Film bietet einige tolle Action-Szenen, wobei die Highlights die beeindruckenden Nahkämpfe sind. Durch den ihren Kampfstil und den Einsatz ihrer Waffen hebt sich Wonder Woman gut von ihren männlichen Kollegen ab. Sogar die von DC und Zack Snyder häufig genutzten Zeitlupen sind cool und unterstreichen die Action. Die Szenen passieren seltener nur um pure Bildgewalt zu liefern, sondern sind oftmals persönlichere Sequenzen, die die Charaktere voran treiben. Trotz der Superkräfte haben die Gefechte dabei einen authentischen Flair. Die Abschnitte fühlen sich mit Kameraeinstellungen nah am Geschehen an, als ob man selbst mittendrin wäre und erinnern leicht an den Soldat James Ryan.

Daher ist es umso enttäuschender, dass das Finale zu einer puren Spezialeffekte-Schlacht verkommt. Da ich zu diesem Zeitpunkt allerdings eine starke Bindung zu den Charakteren hatte, störte mich das nur wenig. Im besten Fall ist die Action des Films also beeindruckend und inspirierend, im schlimmsten Fall aber noch immer auf gutem Superhelden-Durchschnitt. Dieser Film gibt sich also auch hier keine Blöße.

 

Fazit: Mit Hirn, Herz und einem tollen Cast lässt Wonder Woman ihre Kollegen alt aussehen! Jenkins und Gadot liefern eindeutig den bislang besten DCEU Film. So klappt’s auch mit dem Filmuniversum.

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