Tonya Harding hat in ihrem Leben sicherlich Dinge getan, auf die sie nicht stolz ist. Sie ist jedoch auch ohne Zweifel ein sportliches Ausnahmetalent. Die schwarze Komödie I, Tonya mit Margot Robbie widmet sich den erfreulichen und weniger erfreulichen Teilen ihres Lebens. Lest selbst!

Eine schwarze Komödie nach einer wahren Begebenheit mit Margot Robbie? Da klingelt etwas bei uns. Wolf of Wallstreet ist der Titel mit der talentierten Blondine auf den wir anspielen. Dort spielte sie sich an der Seite von Leonardo DiCaprio in die Herzen der Zuschauer. Wenn wir nun noch berücksichtigen, dass in Suicide Squad der Joker der Mann an ihrer Seite war, befürchten wir für I, Tonya nichts Gutes. Tatsächlich ist Tonya Hardings Mann, der im Film von Winter-Soldier und Vibranium-Arm Sebastian Stan gespielt wird, alles andere als ein Glücksgriff. Welche Fügungen jedoch wirklich zur wechselhaften Karriere der Tonya Harding geführt haben, das zeigt I, Tonya.

Eine Entscheidung mit Folgen

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Tonyas Mutter (Allison Janney) bringt die 3-jährige Tonya zum ersten Mal aufs Eis © DCM


I, Tonya aus dem Hause DCM erzählt die wahre Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding. Um die Amerikanerin rankt sich einer der größten Skandale der Sportgeschichte. Sie war zwar die erste Amerikanerin, die in einem Wettbewerb zwei Dreifach-Axel ausführte. Das war jedoch nicht das, wofür sie der Sportwelt in Erinnerung bleiben sollte. Es ist ein schlecht geplanter und laienhaft ausgeführter Anschlag auf Tonyas Konkurrentin Nancy Kerrigan, der ihre Karriere prägte. Zunächst war er geplant, um ihr sportlichen Erfolg zu sichern. Dieser Plan ging jedoch nicht auf und die Konsequenzen für Harding waren enorm.

Profi-Sport und soziale Herkunft

Als schwarze Komödie nimmt sich I, Tonya nicht so ernst, wie es viele Sportler-Drama nach wahren Begebenheiten gerne handhaben. Die Geschichte von Tonya Harding hätte definitiv genug dunkle Seiten und erschütternde Momente gehabt, um auch als Drama eine gute Figur zu machen. Regisseur Steven Rogers hat sich jedoch dagegen entschieden. Das ist unseres Erachtens auch die richtige Entscheidung gewesen. Nur so hat man es geschafft, die immer wieder in die Dunkelheit abdriftende Geschichte auf einer gefälligen Spur mit auflockernden Passagen zu halten. Dazu tragen auch die Charaktere bei, die zwar keine Engel sind, aber auch nicht so diabolisch daherkommen, wie mancher Hollywood-Bösewicht. Sie sind beinahe verstörend menschlich. Während Tonya Harding dabei positiv abweicht, bildet Tonyas Mutter eine negative Mitte und Tonyas Mann Jeff ist der wohl unangenehmste Charakter des Films.

Tonyas Kindheit verdeutlicht zu Beginn, dass es nicht nur das Talent, sondern auch erzwungener Fleiß war, der sie auf die Erfolgsspur brachte. Ihre Mutter führte ein eisiges Regiment, das sie selbst in Tonyas späteren Jahren nicht aufgegeben hat. Dies hat natürlich auch bei der Eiskunstläuferin und ihrer Charakterbildung Spuren hinterlassen. Wir hätten uns hierbei gewünscht, dass nicht nur die ganz junge Tonya von einer anderen Schauspielerin gespielt worden wäre. Wir haben Sebastian Stan und Margot Robbie die Rolle der 15-jährigen Teenies einfach nicht abgenommen.

Im Späteren Verlauf des Films, der auch relevanter für das Vorantreiben der Story war, spielen Stan und Robbie das Paar jedoch sehr gut. An die Rolle von Tonyas Mutter mit ihren eiskalten Kommentaren und schnippischen Bemerkungen kommen jedoch beide nicht heran.

(Sebastian Stan) und Tonya (Margot Robbie) erhalten die Nachricht von der Morddrohung
© DCM

Der Jury gefällts

Was I, Tonya besser macht, als zum Beispiel Borg/McEnroe ist die Balance zwischen sportlichem Event und Nebengeschichte. Die wichtigsten sportlichen Herausforderungen von Tonya Harding bekommen wir als Zuschauer auch mit. Das ist gerade für uns, die zum ersten Mal etwas von der amerikanischen Eiskunstläuferin hören, entscheidend. Dabei ist die Kameraführung auf dem Eis und Abseits der eisigen Fläche stets besonders. Wir sehen Tonya nicht nur beim Eiskunstlauf zu. Manchmal hängen wir wie eine Mini-Kamera an ihrem Körper. Außerdem spielt der Regisseur auch mit der vierten Dimension. Immer wieder ertappen wir Jeff oder Tonya dabei, wie sie zum Publikum sprechen. Dies geschieht auch in besonders harten Situationen, wenn man als Zuschauer am wenigsten damit rechnet.

Was uns weniger gefallen hat, waren die Längen, die I, Tonya definitiv hat. Manche Nebensächlichkeit hätten wir uns sparen können. So ist uns am Ende ein wenig die Luft ausgegangen. I, Tonya ist nämlich ein Film, bei dem man vor allem auf die scharfen Dialoge und schnippischen Kommentare achten muss. Es reicht nicht aus, sich als Zuschauer nur berieseln zu lassen.

Guardians of I, Tonya

Der Soundtrack von I, Tonya ist wirklich toll. Leider passt er jedoch perfekt in die Zeit in der er spielt. Warum leider? Nunja, wir hatten das Gefühl, dass Regisseur Steven Rogers nicht allzu sehr mit dem Soundtrack von Guardians of the Galaxy vertraut ist. Sonst wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass sich ziemlich viel wiederholt. Natürlich sind die Lieder gut. Nur haben sie bei uns bereits eine andere Belegung und Verknüpfung in unserem Kopf. Aus diesem Grunde konnten sie bei I, Tonya ihre Wirkung nicht ganz entfalten.

Unser Fazit zu I, Tonya

Unter dem Strich ist I, Tonya einer der besten Filme seiner Art. Mit tollen Schnitten, beeindruckenden Charakteren und einer guten Balance zwischen sportlichem Wettkampf und Geschehen Abseits der Eisfläche hat uns das Biopic das beschert, was wir uns erhofft haben. Leider hatte der Film so manche Längen und konnte uns daher nicht permanent bei der Stange halten. Nichtsdestotrotz sollten auch nicht Eiskunstlauffans hier definitiv einen Blick riskieren.

Wer zu einer guten, sportlichen Geschichte nicht nein sagen kann, sollte sich außerdem unsere Review zu Borg/McEnroe anschauen. 


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