Als es im Rahmen der diesjährigen E3 angekündet wurde, ging XCOM 2 War of the Chosen für die meisten Gamer etwas unter. Ich dagegen fühlte mich an Al Pacino’s berühmte Worte erinnert.

Just when I thought I was out … they pull me back in. Nachdem ich XCOM 2 bereits unzählige Male durchgespielt habe, war ein umfangreiches Add-on exakt, was ich mir gewünscht habe. Ein paar Monate später habe ich mich zurück an die Fronten des Alien Krieges getraut. Meine Eindrücke zu War of the Chosen gibt’s hier zu lesen.

Ein Add-On im klassischen Sinne

Manch alter Hase mag sich noch an die Zeit vor den DLCs kennen. Damals gab es unter dem Namen Add-On größere Erweiterungen, welche das eigentliche Spiel um neue Elemente ergänzten. Diese überstiegen den Rahmen der meisten DLCs, wie wir sie heute kennen. Stattdessen fühlten sich Titel wie Command and Conquer‘ s Yuri’s Rache mehr wie kleine Sequels an. War of the Chosen erinnert mich stark an diese Erweiterungen. Zum einen bedeutet dies so viele Inhalte, dass Firaxis auch beinahe ein Sequel aus dem Addon machen wollte. Zum anderen bedeutet dies aber auch einen hohen Eintrittspreis von ca. 40 €. Letzterer stoß manchem Fan sauer auf, dafür fühlt sich XCOM 2 mit der Erweiterung aber auch wieder recht neu an.

Wie sieht War of the Chosen also aus? Effektiv spielt Ihr noch immer die alte Kampagne, jedoch wird diese um neue Stories, Spielmechaniken, Systeme und Maps erweitert. So bleiben Gameplay und Gamedesign an sich zwar bestehen, es wird jedoch genug geändert, dass sich die Erfahrung frisch und neu anfühlt.

Ein kurzer XCOM-Erfrischungskurs

Für die Neueinsteiger unter Euch möchte ich kurz die besagte Grundstruktur zusammenfassen. In XCOM 2 übernehmt Ihr das Kommando über die namensgebende Guerilla-Armee um die Erde von der Tyrannei der Aliens zu befreien. Dafür lässt sich das Spiel in zwei Abschnitte unterteilen. Die eigentlichen Gefechte verlaufen rundenbasiert. Ihr schickt eine kleine Gruppe Soldaten in die Schlacht und durchforstet zufallsgenerierte Karten. Dabei müsst Ihr stets auf Elemente wie Deckung, das Sichtfeld eurer Truppen sowie auf Eigenschaften, wie Zielgenauigkeit und Willensstärke und Spezialfähigkeiten Eurer Soldaten und der Eigenschaften der Gegner achten. Besonders spannend ist dabei, dass Eure Soldaten äußerst sterblich sind. Ein falscher Move und Euer bester Soldat kann ins Gras beißen und ist für immer weg. So seid Ihr konstant unter Spannung.

XCOM 2 War of the Chosen Review XCOM2 War of the Chosen

Die andere Hälfte des Spiels betrifft die Verwaltung Eurer Basis und die Auswahl der Missionen. So müsst Ihr verschiedene Räume bauen, Forschung betreiben und mehrere Ressourcen jonglieren um Eure Truppen angemessen für die nächsten Schlachten vorzubereiten. Auf diese Weise bestimmt Ihr langfristig das weitere Vorgehen. War of the Chosen verändert diese Struktur nicht, bringt jedoch einige Neuerungen mit sich.

XCOM 2 War of the Chosen Review XCOM2 War of the Chosen

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Der auserwählte Alien-Alptraum

Die offensichtlichste Neuerung findet sich in den titelgebenden Chosen. Hierbei handelt es sich um 3 besonders hartnäckige Aliens. Sie wurden von den Elders, den Anführern der Außerirdischen ausgewählt, um die Revolution der Menschen zu verhindern. Assassine, Jäger und Warlock haben jeweils eigene Fähigkeiten mit denen Sie euch das Leben schwermachen. Die Assassine fokussiert sich beispielsweise auf Tarnung und Hit and Run Taktiken. Der Jäger ist dagegen ein Freund von distanzierten Angriffen mit seinem Sniper Gewehr, während der Warlock ein Tank und Supporter ist und neue Kreaturen beschwören kann.

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Zusätzlich erhalten die Chosen zufällige Attribute, wie Stärken und Schwächen bei jeder Kampagne, welche sich auch gerne mal im Laufe des Spiels ändern. Dies erinnert ein wenig an das Nemesis System aus Shadow of Mordor und macht die Chosen unberechenbar. Als wäre das nicht genug, tauchen die Auserwählten auch gerne mal zufällig in bereits gewählten Missionen auf, um Eure Pläne zu durchkreuzen. Die Chosen sind zu stark als dass Ihr sie ignorieren könntet. Sie sorgen daher immer für Spannung und ändern das Feeling einer Mission sofort. Somit halten Sie euch stets auf Trab und zwingen Euch dazu, Euch auf unerwartete Kämpfe vorzubereiten und Eure Strategie spontan zu ändern. Sie letztlich in ihren eigenen Festungen anzugreifen und sie endgültig zu vernichten, fühlt sich deshalb umso befriedigender an.

They came to kick ass and chew bubblegum…

Nicht nur die gegnerischen Ränge haben sich erweitert. Auch XCOM freut sich über neue Verbündete. Drei Widerstands-Gruppen können befreundet werden und versorgen Euch mit einigen strategischen Vorteile und Buffs. Die Wichtigsten sind dabei die neuen drei Soldate: Der Skirmisher, der Reaper und der Templer. Diese Einheiten sind zumindest am Anfang weitaus stärker als Eure normalen Truppen und bringen ihre eigenen Kampfstile mit aufs Schlachtfeld. Der Skirmisher ist so beispielsweise ultramobil. Er hat einen Enterhaken, kann zweimal pro Zug schießen oder erst schießen und dann laufen. Die Reaper dagegen sind Scharfschützen mit einem Fokus auf Stealth. Die Templer zuletzt ignorieren zum größten Teil den klassischen Fernkampf und bevorzugen stattdessen den Nahkampf mit coolen Laserschwertern.

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Die neuen Truppen kommen ebenfalls mit einer gigantischen Menge an Fähigkeiten an den Start. Um diese zu managen, haben sie eigene Skill-Trees über die Ihr sie zu richtigen Schweizer Taschenmessern ausbilden könnt. Die Neuzugänge bieten Euch also eine Vielzahl neuer Optionen und geben Euch das Gefühl, einen Superheldentrupp zu kommandieren. Gepaart mit neuen Waffen für die Standardtruppen habt Ihr so im späteren Spielverlauf einen echten und willkommenen Power-Trip. Das macht das Spiel schon fast zu einfach, Spaß macht es aber allemal.

Neue Runde – Neue Features

XCOM 2 War of the Chosen bietet euch nicht nur Scharmützel mit den Auserwählten und ein paar neue Truppen. So gibt es ebenfalls neue Maps, neue Gegner und neue Missionstypen. Weitaus einflussreicher sind jedoch einige Erweiterungen der grundlegenden Spielstruktur. Anstatt die Kämpfe selbst auszutragen, schickt Ihr bei den Covert Operations einige Soldaten selbstständig auf Infiltrationsmissionen, um die Festungen der Chosen zu finden und Euch sonstige Vorteile zu verschaffen. Dabei läuft natürlich nicht immer alles glatt. So können Eure Soldaten entführt werden, verwundet werden oder Opfer eines Hinterhalts werden. In diesem Fall müsst ihr euer winziges 2-Mann-Team gegen eine Horde Zombies und einige Aliens verteidigen und so schnell wie möglich extrahieren.

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Auch gibt es nun ein Erschöpfungs-System. Solltet Ihr den selben Soldaten auf jede Mission mitbringen, so wird er irgendwann müde, was sich negativ auf seine Fähigkeiten auswirkt. Beide Systeme sorgen zusammen dafür, dass jeder einzelne Soldat sich noch wichtiger anfühlt als je zuvor. Denn während Ihr Euch zuvor wie ein schlechter Pokémon Trainer auf einige wenige Soldaten verlassen konntet, habt Ihr nun einen ordentlichen Personalverschleiß. Die größere Kaserne führt dazu, dass Ihr Euch tatsächlich als General einer Armee fühlt, statt als Chef einer Einsatztruppe.

Von Freundschaften und Zombies

Ebenfalls neu ist die Freundschaft zwischen Soldaten. Je öfter zwei Soldaten gemeinsam kämpfen, desto schneller formt sich ein Bund zwischen beiden. Dies führt zu Buffs und extra Fähigkeiten, die Ihr ebenso bei der Einsatzplanung berücksichtigen solltet. Diese persönlichen Verbindungen zwischen den Soldaten geben Euren Charakteren noch mehr Persönlichkeit. Besonders, wenn Ihr Eure Soldaten nach Euren Freunden gestaltet habt, kann dies zu witzigen Situationen führen. Vor allem aber bindet Euch das noch mehr ins Geschehen ein. Denn das Leben jedes Soldaten zählt.

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Zuletzt erwähnenswert sind die Sitreps. Hierbei handelt es sich um Faktoren, die die Art der Missionen ändern. Beispielsweise müsst Ihr Missionen so mit weniger oder schwächerem Personal bestreiten. Eine weitere Option gibt euch zum Beispiel Zusatzziele, wie Soldaten, die Ihr rekrutieren könnt oder Kisten, die Ihr für Loot öffnen könnt. Der interessanteste Sitrep sind jedoch die Lost. Hierbei handelt es sich um ein Zombierudel, dass nicht nur Euch, sondern auch den Aliens zu schaffen macht. Tötet Ihr einen Lost mit einer Standardattacke, so dürft Ihr einen neuen Angriff setzen und so eine Reihe von Gegnern in einer Runde ausschalten. Durch die pure Masse werden die Lost dennoch schnell bedrohlich. Zusammen mit den Chosen ändern sie auf diese Weise schnell den Charakter einer Mission und sorgen für Abwechslung. Eine coole Sache!

Neuer Inhalt, alte Schwächen

Ist bei XCOM 2 War of the Chosen alles Gold was glänzt? Nein, alleine dadurch, dass hier nicht viel glänzt, zumindest nicht bezüglich der Präsentation. Getestet wurde das Spiel auf der PlayStation 4 Pro und wie das Grundspiel ist auch War of the Chosen geplagt von Grafikfehlern. Von fehlenden Gliedmaßen der Soldaten, Clipping-Fehlern, bis zu unsichtbaren Objekten ist so ziemlich alles dabei. Mein Highlight war aber ein spwanender Chosen, welcher nach seiner Drohung erst einmal einschüchternd in die Decke geschwebt ist.

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Das ist ja soweit noch lustig, ärgerlich wird es, wenn Euch die Bugs das Leben schwerer machen. Einer meiner Soldaten wurde beispielsweise kurz vor dem Missionsende betäubt. Normalerweise können ihn in diesem Fall andere Soldaten zum Helikopter tragen. Da der Soldat allerdings in der Evakuationszone K.O. ging, konnte ihn irgendwie niemand aufheben und er wurde entführt. Das frustriert.

Auch tut sich XCOM 2 noch immer schwer damit, Euch wichtige Informationen zu kleinen Interaktionen mitzuteilen. Oftmals wusste ich nicht, was einen Zug beendet und was nicht. Trial-and-Error ist keine tolle Option, wenn das Leben eines Teammitglieds auf dem Spiel steht. Insgesamt halten sich diese Fehler in Grenzen, so lange man oft genug speichert. Dies untergräbt jedoch die Spannung und wird mich vorerst vom Iron Man Modus fernhalten.

Eine coole Erweiterung, aber etwas zu teuer

XCOM 2 War of the Chosen hat also einiges zu bieten, aber ist es die 40 € wirklich wert? Das kann man gespalten sehen. Das End-Game bietet leider keine neuen Inhalte und nachdem Ihr den schweren Anfang überstanden habt, ist XCOM 2 War of the Chosen auch viel zu leicht. Mit dem Tod des letzten Chosen habt Ihr damit kaum noch Herausforderungen oder neue Inhalte vor Euch. Dennoch macht das Spiel viel Spaß. Ich habe mich über eine weitere Kampagne auf jeden Fall gefreut und bin schnell wieder ins alte Suchtverhalten verfallen. Wer also eine weitere Runde mit XCOM 2 drehen will, der macht mit War of the Chosen nichts falsch. Serieneinsteigern sei dagegen zunächst die Grundversion empfohlen, welche Ihr zurzeit bereits für 20 bis 30 € kriegen könnt. Gerne auch über diesen Link. So würdet Ihr uns ohne Nachteile für Euch unterstützen und könntet ein tolles Strategiespiel zocken.

 

Fazit: Eine kräftige Erweiterung mit vielen neuen Mechaniken. War of the Chosen ist ein toller Vorwand, um XCOM 2 aus dem Regal zu holen, aber auch ein recht teurer Spaß.

 

 

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