South Park The Fractured but Whole – Mehr South Park als die Serie?

South Park The Fractured but Whole besser als Staffel20?

Diese Woche haben wir nicht nur einen neuen Trailer, sondern auch endlich den Release Termin für South Park The Fractured but Whole bekommen. Das Rollenspiel zur Serie erscheint am 17. Oktober und macht bereits jetzt einen großartigen Eindruck. Für mich persönlich verspricht jedes Material zum Spiel mehr Spaß und mehr Hype als es die Serie seit langem tut. Die Trailer vemitteln schlicht mehr von dem, was ich seit immer so sehr an der Sendung schätze. Doch woran liegt das? Ich stelle mir die Frage: Bietet South Park The Fractured but Whole mehr South Park als South Park?

Was South Park so besonders macht

Um herauszufinden, wieso das Spiel so einen starken Eindruck macht, sollten wir uns erst die Stärken anschauen, die South Park so besonders machen. Für mich gibt es hier 3 Aspekte: Krasser, übertriebener und abgedrehter Humor, Schockelemente, die teils einen tieferen Sinn haben, teils aber auch nur des Schockens willen existieren und zuletzt tiefsinnige Satire zu aktuellen und gesellschaftlichen Themen. Die Hauptzutaten sind dabei  der Humor und die gesellschaftliche Relevanz, der Schockhumor dient als Beilage, die der Sendung mehr Würze gibt. Die letzten beiden Staffeln hatten meiner Meinung nach recht wenig Schockhumor. Da die Effektivität von Schockhumor jedoch auch nachlässt je öfter er genutzt wird, ist das allerdings auch nicht unbedingt schlecht. Die Konkurrenz von Family Guy könnte sich hier gerne eine Scheibe abschneiden, aber das ist ein Thema für ein andermal.

Was die gesellschaftliche Relevanz und die Satire angeht, waren die letzten beiden Staffeln tatsächlich ein gewisser Fortschritt. Beide Staffeln zeichnen sich durch eine längere und thematisch zusammenhängende Auseinandersetzung mit aktuellen Themen aus. Die 19. Staffel nahm sich Gentrifizierung, politische Korrektheit und Werbung zur Brust. Die letzte Staffel thematisierte dagegen die Präsidentschaftswahl, fehlgeleitete und blinde Nostalgie, sowie unser Verhalten online. Damit ist die eine Hälfte des Reizes gut abgedeckt, auf eine gewisse Weise sogar besser als je zuvor. Wie auch andere Fans feststellen, trifft Staffel 20 den Zeitgeist zwar genau, lustig ist sie jedoch nicht. Zumindest nicht so sehr wie vorherige Staffeln. Die Staffel zuvor hatte diese Richtung bereits eingeschlagen, für mich wurde diese Richtung jedoch erst in Staffel 20 zum Problem.

Neue Stärken – Neue Schwächen?

South Park The Fractured but Whole bringt den Spaß zurück

Wieso ist South Park in der 20. Staffel also nicht mehr so lustig wie zuvor? Zu verdanken ist dies vor allem einer Veränderung der Storystruktur. South Park war Jahre lang ziemlich berüchtigt dafür, eine Sendung in nur 6 Tagen zu produzieren und zu senden. Es gab fast keine Kontinuität zwischen den Folgen und die Stories wurden oft improvisiert. Entsprechend kamen Matt Stone und Trey Parker regelmäßig abstruse, abgedrehte und geniale Ideen, welche dann auf irgendwie in eine Story verwurstet wurden. Es gab keine größeren Pläne und das Resultat war fast immer urkomisch!

Die letzten beiden Staffeln dagegen hatten jeweils einen kontinuierlichen Storystrang, der nur wenig Abweichungen zulies. South Park wurde mehr zu einer episodischen Geschichte, wie Game of Thrones oder Breaking Bad. Es gibt schlicht weniger Raum für Improvisationen und verrückte und spontane Ideen, wenn alles in eine feste Storystruktur passen muss. Die wenigen fokussierten Themen hatten so zwar mehr Tiefgang, aber die frenetische Abwechslung mit einem neuen wilden Szenario pro Woche ging verloren. Auch für die soziale Relevanz der Serie hat das Nachteile. Obwohl ich den Tiefgang mit dem die sozialen Themen angegangen wurden lobe, war die 20. Staffel nicht immer so brandaktuell wie zuvor. Wie mit der Spontanität tut die feste Story auch der Möglickeit auf Aktuelles zu reagieren keinen Gefallen. Einen ganz anderen Eindruck macht derweil die rektakuläre Zereissprobe, so der deutsche Titel des neuen Spiels.

Bringt South Park The Fractured but Whole den abgedrehten Wahnsinn zurück?

Eines ist hier klarzustellen: Abgesehen von den bisherigen Trailern haben wir vom neuen Spiel noch nicht viel gesehen. Der Vorgänger South Park: Der Stab der Wahrheit läst mich jedoch ganz gut erahnen, was uns im Sequel erwartet. Ähnlich wie in früheren South Park Staffeln jagt hier ein absurdes Szenario das andere. Verrückte Charaktere geben sich die Klinke in die Hand, auf einen Schenkelklopfer folgt ein Schockwitz, darauf eine Gaming-Parodie und darauf einFurzwitz. Was als Parodie des stillen Rollenspielprotagonisten startet, führt zu einem Herr-der-Ringe-Fantasyszenario, was zu Aliens, Regierungsverschwörungen und Nazi Zombies führt. Und bevor wir uns versehen, befinden wir uns erst in einem 8-Bit Kanada und schließlich in Mr. Sklave’s Gedärmen. Ihr versteht was ich mit der frenetischen Abwechslung von South Park meine?

Zugegebenermaßen: Bei den meisten Ideen handelt es sich um Anspielungen auf die Serie und Fan Service. Auch wenn vieles nicht neu ist, so sind die Szenarien doch meisterhaft zusammengemischt und gehen flüßig ineinander über. Eher ein Best-of oder ein kunstvoller Remix, als ein aufgewärmtes Wiederkäu alter Ideen. The Stick of Truth ist durch und durch lustig, da es die Absurdität und die Lustigkeit South Park’s mit offenen Armen entgegennimmt. Ein starker Kontrast zur Serie, welche sich von diesen Tugenden immer weiter entfernt. Und obwohl The Stick of Truth bereits einen Haufen von South Park’s Material verbraucht hat, existiert noch mehr als genug Stoff, damit South Park The Fractured but Whole noch besser wird.

Das was der Serie fehlt – Was fehlt denn dann den Spielen?

Damit hätten wir unsere Frage schon mal geklärt. Der Serie fehlen die Abwechslung, der teilweise durch Improvisation entstandene abgedrehte Humor und dadurch das frenetische Tempo von früher. Wie der Stab der Wahrheit scheint die rektale Zerreisprobe beides im Überfluss zu haben. Jetzt stellt sich jedoch die Folgefrage: Brauchen wir die Sendung noch? Ja klar denn wer aufgepasst hat, weiß dass bei allem Spaß den die Spiele verbreiten ein wichtiges Element fehlt – der satirische Aspekt. Zumindest lassen das die Trailer und der Vorgänger vermuten. Klar ein paar Anspielungen auf Gaming Klischees gibt es und im Nachfolger scheint der übertribene Superheldenhype ein Punkt der Parodie zu sein, Satire mit gesellschaftlicher Substanz und Relevanz scheint jedoch zu fehlen.

Natürlich kann das alles noch kommen, wer ein Spiel verkaufen will, konzentriert sich meistens erst auf den Spaß und versteckt die wahre Substanz. Der Fokus scheint dies aber nicht zu sein, zumindest nicht im Ausmaß der 20. Staffel. Von daher können wir Fans uns wirklich glücklich schätzen, denn Spiel und Serie ergänzen sich bei South Park perfekt. Und die simple Aussicht auf klassischen South Park Spaß ist etwas, das in mir große Erwartungen für South Park The Fractured but Whole weckt. Falls auch ihr euch so viel Spaß vom neuen Spiel erhofft wie wir, dann könnt ihr South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe über diesen Link vorbestellen. Damit entstehen für euch keine Nachteile, ihr würdet uns von Gamer’s Potion allerdings unterstützen. Und für die Vorbestellung würdet ihr sogar den Vorgänger als digitale Version erhalten. Wenn das mal keine Win-Win-Situation ist!

 

 

Daniel Laetzsch

Ich bin ein leidenschaftlicher Gamer seit meinem ersten Gameboy in 1994. So lange ich zurückdenken kann, möchte ich mich mit Videospielen beschäftigen. Dabei versuche ich einen Längsschnitt des gesamten Mediums zu erfassen: Über alle Genres hinweg, vom Fangame bis zu Triple A! Wenn es gut oder interessant ist, bin ich dabei. Bei Gamer‘s Potion zeige ich euch die spannendsten News, teile meine Meinungen mit euch und freue mich auf angeregte Gespräche!